Die Meeresschutzorganisation Sana-Mare e.V.

Die Meeresschutzorganisation Sana-Mare e.V.

Interview mit dem 1. Vorsitzenden Lucas Schmitz

Heute blicken wir hinter die Kulissen der Umweltschutzorganisation Sana-Mare, die sich speziell für den Schutz der Meere einsetzt. Durch Spendengelder werden international Clean-ups durchgeführt um die Küsten von Plastikmüll zu befreien.

Vielen Dank Lucas, dass Du Dir die Zeit nimmst unsere Fragen zu beantworten.


Wann und wo bist Du auf die Idee gekommen Sana-Mare zu gründen?

Ich habe zwischen 2005 und 2014 als Tauchlehrer in Portugal gearbeitet. In dieser Zeit war ich jeden Tag im Meer. Über die Jahre habe ich erschreckende Veränderungen im maritimen Ökosystem beobachtet. Der Einfluss menschlicher Aktivitäten wie Fischerei, Nährstoffeintrag durch Landwirtschaft, Rohstoffabbau und Tourismus wird sehr schnell deutlich. Auch Müll im Meer, der häufig von den Badestränden kommt, ist ein ständig wachsendes Problem. Ich habe mit meinen Tauschschülern darum immer auch über Umweltschutz gesprochen und von jedem Tauchgang ein bisschen Müll mitgebracht. Meine Tauschschüler haben meistens selber angefangen Müll zu sammeln, auch wenn ich sie nie dazu aufgefordert habe. Für einige Jahre gehörte das Müllsammeln im Meer zu meinem Alltag. 2014 bin ich zurück nach Deutschland gekommen. Ich habe dann zwar nicht mehr täglich Müll gesammelt, aber die Thematik hat mich weiter beschäftigt. Im Juli 2019 habe ich wieder eine Müllsammelaktion mit freiwilligen in Portugal organisiert. Eigentlich sollte das eine einmalige Aktion sein. Der Zuspruch war überwältigend. Viele Freiwillige haben sich an der Aktion beteiligt. Das hat mich motiviert regelmäßig Clean-ups zu organisieren. So ist der Verein Sana Mare entstanden.

Was ist das besondere an Sana Mare?

Es gibt viele Vereine und Gruppen, die regelmäßig Müll sammeln. Dies sind meistens Aktionen von wohlhabenden Bürgern in Industrienationen, die in ihren Städten Müll sammeln. Ich bin dankbar für jede Initiative, die die Ärmel hochkrempelt. Solche Aktionen sind extrem wichtig für die Schärfung des Problembewusstseins in der Gesellschaft. Das Müllsammeln in der Stadt hinterlässt bei mir aber auch immer das Gefühl, dass ich gerade den Müll einsammle, den die Stadtreinigung wenig später auch beseitigen würde. Wir haben uns darum das Ziel gesetzt den Müll dort zu beseitigen, wo es keine vergleichbare kommunale Müllbeseitigung gibt. Der ehemalige Chef des UN Umweltprogramms Klaus Töpfer sagte einmal Armut sei das größte Umweltgift. Damit hat er Recht, denn eine saubere Umwelt ist etwas, das wir uns leisten, wenn wir uns keine Sorgen um Nahrung, Bildung, medizinische Versorgung etc. machen müssen. Wir ermöglichen darum Aufräumaktionen dort, wo sie am nötigsten sind und am wenigsten stattfinden – in armen Ländern in Zusammenarbeit mit Menschen, die in Armut leben. Die Teilnehmer erhaltenen eine faire Aufwandsentschädigung. Auf diese Weise verbinden wir Umweltschutz mit Armutsbekämpfung.

Machst Du Deine Vereinsarbeit haupt- oder nebenberuflich?

Ich leite den Verein im Moment vollkommen ehrenamtlich. Meine Arbeitszeit als Gymansiallehrer habe ich reduziert, um mich um das Projekt kümmern zu können. Ich würde gerne in Zukunft auch in Teilzeit offiziell für den Verein arbeiten. Im Moment ist das aber nicht möglich. Unsere Projekte finanzieren sich durch Spenden. Die Spendengelder, die der Verein bekommt, werden für die Projektkosten und die Betriebskosten des Vereins verwendet. Das Geld ist der limitierende Faktor. Wir könnten und würden gerne viel mehr Clean-ups durchführen. Es fehlen aber die finanziellen Mittel. Ein Gehalt beziehe ich darum nicht.

Besuchst Du die Projekte vor Ort?

Wir haben sehr engagierte und vertrauenswürdige Clean-up Koordinatoren vor Ort. Ich bin mit ihnen in engem Kontakt. Die Clean-up Koordinatoren arbeiten in der Regel ebenfalls ehrenamtlich. Ich werde die Projekte vor Ort besuchen sobald wir Geld für eine Reise zur Verfügung haben. Im Moment reichen die finanziellen Mittel so eben aus, um unsere Ziele (100 clean-ups im Jahr 2021, 200 clean-ups in 2022) zu erreichen. Wir versuchen trotzdem die größtmögliche Vertrauensbasis für unsere Spender zu erreichen. Darum arbeiten wir vor Ort nach Möglichkeit mit vertrauensvollen Schirmherren zusammen. In Kenia werden unsere Aktivitäten hin und wieder von James Wakibia besucht. James Wakibia ist ein international angesehener Umweltaktivist aus Kenia. Er war die treibende Kraft hinter dem Plastiktütenverbot in Kenia. In Tansania ist unser Clean-up Koordinator Olarip Tomito. Er ist ebenfalls seit vielen Jahren als Jugendaktivist in Tansania bekannt und UNICEFF Youth Advocat für sein Land. Durch die Zusammenarbeit mit anerkannten Persönlichkeiten schaffen wir vertrauen. Ein Besuch einer Delegation aus Deutschland konnten wir dadurch bis jetzt aufschieben.

Was waren die größten Herausforderungen bisher?

Unser Projekt ist in ständigem Wandel es hat einige Zeit gedauert, bis wir unsere Abläufe und die Zusammenarbeit mit den Menschen in Afrika und Asien eingespielt hatten. Die fehlenden finanziellen Mittel verhindern, dass wir das Projekt viel größer skalieren können. Die größte Schwierigkeit ist aber ganz klar die Coronapandemie. Seit Beginn unseres Projektes werden wir immer wieder durch Corona ausgebremst. Gerade als wir ein Team in Sri Lanka aufgebaut hatten, wurde das Land durch die indische Mutation lahmgelegt. Auf den Philippinen ist das selbe passiert. Im Moment werden viele Länder Afrikas von der dritten Coronawelle überrollt. Die Situation ist in vielen Ländern wirklich dramatisch. Gerade jetzt sind viele arme Menschen mehr denn je auf unsere Hilfe angewiesen. Leider können wir sehr viele geplante Aktionen gar nicht durchführen, weil Clean-ups zur Eindämmung der Pandemie verboten sind.

Was war das schönste Erlebnis bislang mit Sana-Mare?

Ich freue mich immer sehr, wenn unser Projekt auf positive Reaktionen stößt. Besonders schön sind aber für mich die Momente, in denen ich die Bilder von den Aktionen in Afrika sehe. Die Teamkoordinatoren schicken immer Bilder von vor und nach der Aktion. Es gibt mir immer ein gutes Gefühl, wenn dort, wo vorher nur Plastikflaschen zu sehen waren, auf einmal Wasser ist. 

Wo siehst Du für die Zukunft den größten Handlungsbedarf?

Der Handlungsbedarf ist leider wirklich extrem groß. Das Problem der Umweltzerstörung durch den Menschen ist eigentlich kaum zu überblicken. Die Verschmutzung des gesamten Ökosystems Erde mit Plastik ist ja nur ein kleiner Teil davon. Um das Plastikproblem zu lösen gibt es meines Erachtens nur eine wirkliche Lösung. Wir müssen weltweit ganz schnell und ausnahmslos auf alternative Materialien zurückgreifen. Leider ist  das meiner Ansicht nach aus heutiger Sicht undenkbar. An vielen Stellen lässt sich schon auf Plastik verzichten. Aber es gibt auch unzählige Anwendungsbereiche, in denen es realistisch noch keine brauchbaren Alternativen gibt. Man kann es drehen und wenden wie man möchte. Leider ist Plastik ein Material mit Eigenschaften, die für unsere moderne Gesellschaft unerlässlich sind. Der größte Handlungsbedarf besteht daher meines Erachtens in der Forschung und Entwicklung alternativer Materialien, die die Vorteile von Plastik (Leichtigkeit, Formbarkeit, Haltbarkeit etc.) aufweisen aber gleichzeitig unschädlich für die Natur sind.

Wie integrierst Du ein Leben ohne/ mit wenig Plastik in Deinen Alltag?

Ich verfolge persönlich nicht den Zero Waste Ansatz. Zwar finde ich das Konzept großartig, jedoch glaube ich, dass er für viele Menschen einfach zu kompliziert und nicht mit dem Alltagsleben vereinbar ist. Ich persönlich verfolge den Ansatz einer bewussten Reduktion. Ich verzichte an den Stellen auf Plastik, wo es mit einem angemessenen Aufwand machbar ist. Auf Joghurts in Plastikbechern kann man beispielsweise sehr leicht verzichten. Das gilt überhaupt für sehr viele Lebensmittelverpackungen. Aber auch in anderen Bereichen hinterfrage ich, ob es alternativen ohne Plastik gibt. Beispielsweise kaufe ich keine Kleidung aus synthetischen Fasern und auch die Spielzeuge meiner Kinder sind oft plastikfrei. 

Was passiert mit dem Müll?

Das ist von Land zu Land und von Region zu Region unterschiedlich. Wir versuchen immer Kontakt zu lokalen Entsorgern und / oder Recyclingunternehmen aufzubauen, um den Müll bestmöglich zu verwerten. In Mombasa können wir den eingesammelten Plastikmüll regelmäßig an Zwischenhändler verkaufen. Dort führen wir auch häufig Cleanups zusammen mit einer Frauen-Selbsthilfegruppe durch, die ein großes Grundstück haben. Auf diesem lagern wir bis jetzt schon mehrere hundert Kilogram Plastikflaschen. Wenn wir eine LKW-Ladung voll haben, können wir sie von einem Recyclingunternehmen aus Nairobi abholen lassen. So gut funktioniert das aber leider in den meisten Fällen nicht. Meistens bringen wir den Müll zu einer Mülldeponie. Uns ist bewusst, dass dies die schlechteste Art des Müllmanagements ist, aber in den meisten Regionen Afrikas und Asiens ist dies die einzige Möglichkeit. Hin und wieder kommen auch lokale Bauern, die uns einen Teil des Mülls abnehmen, weil sie ihn gebrauchen können. In Limuru haben wir einige hundert Plastikflaschen an einen Bauern abgegeben, der darin neue Sämlinge züchtet.

Mehr Informationen zu Sana-Mare gibt es auf der Homepage www.sana-mare.org

Wie finden das Projekt jedenfalls sehr wichtig und unterstützen es mit einem Euro je verkauftem Artikel.

Außerdem vertreiben wir die Spenden-Armbänder von Sana-Mare in unserem Shop. Diese Armbänder sind aus Meeresmüll handgefertigt. Der komplette Betrag kommt hierbei den Clean-ups zu Gute

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